Cheiro's ungewöhnliche Karriere

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Ein Seher, der niemals daneben lag

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Klappentext des Buches:

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Cheiro war nachweislich der bekannteste Handleser und Numerologe zu seiner Zeit. Zu seinen Lebzeiten beriet er tausende von Menschen. Seine Prophezeiungen waren so genau, dass er dadurch ins Rampenlicht der oberen Zehntausend geriet. Viele berühmte Persönlichkeiten gaben ihm die Ehre und erklärten ihn zum Meisterchiromanten.

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In diesem Buch erzählt der bekannte Okkultist, wie er sich vom unbedeutenden Nachbarsjungen, zum bekanntesten „Hellseher“ entwickelte, der sowohl in New York, als auch in London, Paris und anderen Weltstädten erfolgreich wirkte. All seine Prophezeiungen basierten jedoch auf einer rein berechnungstechnischen und beobachtungsspezifischen Grundlage.

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Wie ein Detektiv spürte er die Zeichen in den Händen seiner Probanden auf und offenbarte ihnen Dinge, die jene überraschten und als diese Dinge dann eintraten, waren sie umso mehr erstaunt. In diesem Werk, das nun erstmals auf Deutsch vorliegt, erzählt uns Cheiro seinen Lebensweg, wie er dazu kam, dieses Studium aufzunehmen, wie er schon in jungen Jahren nach Indien und Ägypten reiste, wie er mit König Edward VII. bekannt gemacht wurde, wie er Oscar Wilde seinen Untergang vorhersagte und vieles mehr.

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Allerdings hat sich Cheiro auch nicht zurückgehalten, wenn es darum ging, die Geheimnisse seiner Arbeit zu beleuchten. Viele Erklärungen, bezüglich seiner Vorhersagen, werden in diesem Buch beschrieben. Zwei zusätzliche Kapitel, die detailliert die Lebenslinie beschreiben und auch die Numerologie bestrahlen, vervollständigen dieses besondere Werk.

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Produktinformation:

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Verlag: Books on Demand

ISBN: 978-3-8391-8447-9

Ausstattung: Paperback, mit über 35 Fotos und Abb. 

Seiten: 256 

Preis: 17,95 Euro 

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Inhaltsverzeichnis:

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Vorwort

Wie ich ein Seher wurde

Das Gespräch in London: „Charles Stewart Parnell

Reisen und ein frühes Berufsleben

Ein Trip nach Indien und Ägypten

Ein rätselhafter Mord

Frühe Enttäuschungen

Start in London

Ein jüdischer Freund und ein Vertrag

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Die Wahl eines Namens

Ein vom Parlament beschlossenes Gesetz

Der zerbrochene Vertrag

Beschwerliche Kunden

Die Mutter und ihr Kind

Sarah Bernhardt und eine Beschreibung ihrer Hand

Schicksalsentscheidung im Haus von Mrs. Walter Palmer

Mr. George Lewis

Gesellschaftliche Ereignisse

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Blanche Roosevelt

Ein Treffen mit Oscar Wilde

Eine seltsame Voraussage und deren Erfüllung

Zwei Treffen mit König Edward VII

Das Datum nach den “Fadic- Zahlen”

König Edward’s Parisbesuch 

Die Gründung der "Entente Cordiale" Zeitung 

Königin Mary akzeptiert mein Handlesebuch

König George’s okkulte Zahlen 

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Einige interessante Persönlichkeiten

Mr. W. T. Stead und Miss Maud Gonne 

Mr. Richard Croker von der „Tammany Hall“ 

Fräulein Janotha 

Interessante Persönlichkeiten (Teil 2) 

Philippe, Comte de Paris 

Mrs. Langtry 

An Bord eines amerikanischen Schiffes

“Madame Nordica“ und die Einladung zum Tee

Die Hand eines Mörders und sein anschließende Verurteilung

Ein Client, mit einer schrecklichen Vergangenheit 
Kurioser Schicksalsschlag durch eineKugel 
Eine Spiritistische Sitzung und ihr weiterer Verlauf 
Mark Twain 
Colonel Robert Ingersoll 
Mrs. Ella Wheeler Wilcox
Mr. George Perkins
Die Geschichte des “lebendigen Christus”
Der Anschlag auf mein Leben


Gerettet durch ein Zigarettenetui 
Rückkehr nach London 
Die „Gedankenmaschine“ 
H. M. Stanley 
Der berühmte Forschungsreisende 
Das Treffen mit W. E. Gladstone
Eine seltsame Erfahrung und ihr weiterer Verlauf 
Einige seltsame Tatsachen in Bezug zu dieser Wissenschaft 
Ein Geknister, das uns etwas über den Gesundheitszustand erzählt

Wie Verbrecher dingfest gemacht werden können 
Ein auf menschliche Haut geschriebenes Buch
Große Lehrer und Philosophen
Professor Max Müller
Der letzte Lordoberrichter von England 
Lord Russel of Killowen
Wie und warum ich heiratete
Die beiden Chamberlains
Vererbung


Der ehrenwerte A. J. Balfour
Andere Interviews mit bemerkenswerten Personen
Schlussbetrachtung
Kurzbiographie

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Zusatzkapitel->...Erklärung zur Lebenslinie
Zusatzkapitel->.. Wichtige Numerologische Jahre

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Leseprobe

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Kapitel I

 Wie ich ein Seher wurde.

Das Gespräch in London: Charles Stewart Parnell


Von vielen Seiten bin ich gebeten worden, meine Memoiren zu veröffentlichen, aber es gab gewisse Gründe, die mich jahrelang davon abgehalten haben. Ich finde, dass es sehr schwierig ist, über das eigene Selbst zu schreiben. Die einzelnen Erinne-rungen müssen geordnet werden und man sollte dann auch noch wissen, wann man beginnen und enden sollte.

Für eine lange Zeit habe ich mich darum bemüht, die Veröffentlichung dieses Buches zu vermeiden, und vielleicht hätte ich es noch weiter vor mich her geschoben, wenn es nicht schlussendlich mein eigener Wunsch gewesen wäre, der mich dazu trieb; aber in dieser fremden Welt von Tatsachen, Phantasien und Scheinbeweisen muss man manchmal die Fakten darlegen, damit die Scheinbeweise widerlegt werden können.

So war es auch bei mir. Wenn ich dieses Buch nicht veröffentlicht hätte, dann hätten es andere getan; und in diesem Fall fürchtete ich, dass die Fiktion sonderbarer ausgefallen wäre, als die Wahrheit.

Meine einzige Inanspruchnahme des Titels der "Allbekanntheit" bestand darin, dass ich einer ungewöhnlichen Tätigkeit nachging und somit auch außergewöhnliche Erfahrungen hatte und in vielen Fällen seltsame Leute traf.

Es sind diese Leute und Erfahrungen, die einen Anspruch auf Veröffentlichung haben - mein eigenes Leben muss nur als ein Faden betrachtet werden, an dem das Schicksal ihre Perlen oder ihre Marionetten hängte, wie immer es sein mag.

Daher werde ich mich so wenig wie möglich auf mein eigenes Leben beziehen, und wenn der weiße Faden meine eigene Person beleuchtet, dann hoffe ich, dass dies nur als ein Bindeglied betrachtet wird und es unmöglich war, diese Begebenheiten auszulassen.

So wie der schwächste Faden einen Anfang haben muss, so werde ich am Anfang in wenigen Worten über mein früheres Leben berichten, aber nur den Teil, der sich auf mein seltsames Studium bezieht. Kurz dargestellt, fing der Faden folgender-maßen an:

Väterlicherseits stamme ich von den Normannen ab. Meine Mutter kommt aus einer französischen Familie, die aber in Irland geboren ist, und ich kann fast sicher behaupten, dass ich auf einem Stapel Bücher gezeugt worden bin.

Von meines Vaters Seite erbte ich die Dichtung, den Stolz und die Philosophie, von meiner Mutter die Liebe zum Okkulten in jeder Form, kombiniert mit einem seltsamen religiösen, aufopfernden Ismus, der niemals aufgehört hat zu existieren.

Diese seltsame Kombination erzeugte durch ihre Verbindung einen Menschen, der eine besondere Berufung folgen musste, die nicht auf herkömmlicher Weise ablaufen würde.

Wie die einfachsten Dinge die Wendemarken im Leben der Männer in der Welt werden, so war ein ungewöhnlich nasser Sonntag der Hauptfaktor, mit dem sich meine Lebensströmung änderte und so mein Schicksal beeinflusste.

Kurz, um zu verhindern, dass ich meinen Gedicht schreibenden Vater in der Bibliothek störte, unterrichtete mich meine Mutter in der Handlesekunst. Sie kannte sich sehr gut in diesen Dingen aus und erklärte mir die Namen der einzelnen Handlinien in meiner Hand. Bald kannte ich die Bezeichnungen meiner Linien, und wenn es mir möglich war, versuchte ich andere Hände zu finden, die ähnliche Markierungen aufwiesen.

Ich war erst elf Jahre alt, aber meine Mutter hatte in mir einen Samen gelegt, der sofort anfing, in meinen Gedanken zu keimen; so sehr, das ich, als ich die Hände der Dienerschaft "gelesen hatte", es im nächsten Dorf versuchte, das ungefähr eine Meile von meinem Elternhaus entfernt war. Mein Verschwinden blieb natürlich nicht unbemerkt. Nach einer langen und müden Suche entdeckten meine tieftraurigen Eltern den jugendlichen Wissenschaftler, der nun wieder nach Hause und ins Bett gebracht wurde.

Bald darauf, wahrscheinlich um meine okkulten Neigungen zu bekämpfen, beschloss mein Vater, dass ich für die Kirche ausgebildet werden sollte und ich dementsprechend zu einer äußerst strengen Schule geschickt wurde, wo meinem Vater ver-sichert wurde, dass der okkulte Unsinn schnell aus meinem Kopf gepresst werden würde.

In seiner Idee, mich für die Kirche ausbilden zu lassen, war er im Recht, so glaubte ich damals; da ich gewiss bin, dass kein Junge jemals sein Leben mit einer religiösen Natur oder einem gottgläubigen Temperament beginnt.

Obwohl es vom ersten Augenblick, als eine vielleicht seltsame Anomalie erscheinen mag, behaupte ich dennoch, dass es die Grundlagen jenes starken Temperaments waren, das mich an dem Handstudium mit einem Eigensinn hängen ließ, der alle Oppositionen überwand.

Es war ein Mysterium, ähnlich der Religion selbst, es enthielt die Sprache der Seele in seinem Gefängnis und die Handlinien schienen mir öfters eine greifbarere Lebenskarte anzuzeigen, als die neununddreißig Artikel, die ich gezwungenermaßen auswendig lernen musste.

Diese Wissenschaft wurde auch von Männern verachtet, viel missbraucht und verleumdet, und dieser Umstand war es, dass mich diese Lehre anzog, vielleicht sogar aus Mitleid und Mitgefühl. Je mehr ich die Bibel studierte, desto mehr schienen sich die seltsamen Fäden von Leben, Handlungen und Resultaten zu verbinden; und so wurde ich immer mehr davon überzeugt, dass die Natur ihre geheimen Seiten hatte, die weder die Wissenschaft noch die Religion bis dahin enträtselt hatte.

Ich kann nicht meine Freude beschreiben, die mich überkam, als ich verschiedene Texte in jenem großen "Schicksalsbuch" entdeckte, die von den Schicksalen der Rassen und jenen selt-samen Ereignissen erzählten, "dass der Gotteswille erfüllt wer-den könnte."

Kann ich jemals diese Nacht vergessen, als mein Geist zum ersten Mal die Geschichte vom Verratenen und des Verräters begriff; das Bild des "leidenden Mannes und das Kind des Schicksals, der sich Judas nannte - die eine Notwendigkeit von anderen, "dass sich die Schrift bewahrheiten möge"?

Wie ich dort in der Stille saß, um die "Warums" und "die Grün-de" dessen zu erfahren, schien es so, als wenn sich das schicksalsverwundete Gesicht von Judas aus dem Schatten der Vergangenheit herausbildete, und ich sah in seinen schwachen, ausgestreckten Händen das Erbgut, das genau in seine Rolle passte und seinen Namen hinterließ, den Beinamen der Nationen.

Am nächsten Tag hatten die Schriften eine größere Bedeutung für mich als jemals zuvor. Die neununddreißig Artikel besaßen eine Faszination für mich, die den ehrwürdigen Professor meiner Klasse überraschte. Der siebzehnte Artikel wurde durch sein großartiges Argument zugunsten der "Vorherbestimmung", zu solch einer Kraft in meinen Gedanken, das ich nicht realisieren konnte, was ich danach tat. Mein Lehrer war erstaunt, als ich ein Wortgefecht zu diesem Thema anstrengte. Zum Ende meiner Ausschweifung wurde ich aber für diese Spielstunde mit Schmerzen bestraft.

Aber jedes Übel hat auch seine guten Seiten - es ist so, als wenn wir nur versuchen, das Gute zu erkennen, wenn es kommt - so skizzierte ich während meiner Strafe, anstatt meine Übungen zu machen, was ich über die Hände von Judas dachte und ich war so vertieft in meiner Aufgabe, dass ich nicht die Anwesenheit des alten Professors bemerkte, der über meiner Schulter sah.

An Stelle der scharfen Rüge, die ich erwartete, setzte sich der alte Mann an meine Seite und ließ sich die Zeichnung, Zeile für Zeile, erklären. Dann wurde er noch freundlicher, und dann - zu meinem grenzenlosen Erstaunen - stellte er mir seine eige-nen, sonderbar aussehenden Hände zur Verfügung und fragte mich auf eine sanfte Art und Weise, was ich mit ihnen machen könnte.

Zu meinem Erstaunen entdeckte ich schnell Eigenschaften bei ihm, die sogar menschlich waren. Zu mir war er jedenfalls immer etwas übergroß und mächtig gewesen, so dass die Ideen dieser Weisheitsikone, nach denen andere Männer gelebt haben, niemals für einen Moment in meinem Geist eingeflossen waren.

Seine Hand hatte eine lange, magere, hagere, anatomische Struktur und ich glaubte, dass irgendjemand den Mantel des Geistlichen über seinen Arm gelegt hatte, um die Knochen zu verstecken; ein grauäugiger, bebrillter Sphinx mit einem dumpfen Kinn, dessen Geschichte erzählte, dass er einmal in Cambridge versagt hatte - aber die Geschichte erzählt so viele Lügen, dass keiner von uns Jungen diese Erzählung glaubte; als ich meine Handstudie weiter verfolgte, vergaß ich, dass diese Geschichte auch besagte, dass er jedwede Gefühle niemals gekannt hatte, dass er niemals geliebt oder geheiratet hatte; dennoch erzählte ich ihm von einer Liebe in seinem Leben, der nur wenige Männer im Leben begegnet waren.

Ich hielt inne, da etwas mit meiner Testperson passiert war; die Hände waren beiseite gezogen worden, und ich erblickte das erste Mal, was Risse bedeuten, wenn strenge Männer weinen.

Nach jenem Morgen wurden wir Freunde. Manch schwere Übung erließ er mir, und viele alte griechische und lateinische Bücher über die Handlesekunst übersetzte er für mich zu meinem Nutzen.

Die Kirche war allerdings nicht mein Schicksal. Am Vorabend, bevor ich in die Kirche eintreten sollte, wurde mein Vater durch eine Spekulation ruiniert, die auch Hunderte von anderen betraf, und so musste ich schweren Herzens meine Hoffnungen begraben und kehrte nach Hause zurück.

Enttäuscht und ziellos trieb ich für einige Zeit wie ein steuerloses Schiff auf einem müßigen Meer herum, bis ich eines Tages aufwachte. Ich trat in die Fußstapfen meines Vaters und ich sagte ihm, dass ich nun mein eigenes Boot steuern und die Welt erkunden wollte.

Mein Vater stimmte zu, mit der Überlegung, dass er nicht mehr das Recht hatte, meine Laufbahn nach seinem Willen zu formen - er hatte es versucht, doch war das Schicksal zu stark ge-wesen und er würde dem Schicksal nicht mehr im Wege ste-hen. So breitete ich, mit einem kleinen Geldbetrag und einem guten, substanziellen Segen, meine eigenen Segel aus und verließ den ruhigen Hafen meines Heims. Es trieb mich ins weite Meer der Welt, so wie es viele andere vor mir getan haben.

Es würde unangebracht sein, in diesen Memoiren einige wenige dazwischenliegende Erfahrungen zu erläutern; der "Ruf Londons" war in meinen Ohren, und so schnell wie möglich steuerte ich in Richtung dieser bedeutenden Stadt, dort, wo sich das Schicksal und der Ehrgeiz im gleichberechtigten Kampf trifft.

Es wird gesagt, dass "die kommenden Ereignisse ihre Schatten voraus werfen." In einer Nacht, während ich in Liverpool auf den Londoner Zug wartete, erblickten meine Augen ein Buch. Auf dem Cover war eine Hand abgebildet. Ich kaufte es sofort, denn es war eine Übersetzung von einem jener Bücher, die das Thema der Handlesekunst beinhalteten. Dieses Buch wurde zu der Zeit herausgegeben, als auch die Bibel erstmalig mit beweglichen Lettern gedruckt wurde: Es war ein deutsches Buch mit dem Namen „Die Kunst Chiromantia“, und als der Zug seine Fahrt aufnahm, versank ich in seinem Inhalt. Der einzige Fahrgast, der mit mir im Abteil weilte, war ein Herr, der mir gegenüber, mit seinem Rücken zum Motor, saß. Er hatte um seine Schultern eine schwere Wolldecke geschlungen, die fast sein gesamtes Gesicht verbarg.

Als ich mein Buch niederlegte, da ich es durchgelesen hatte, bemerkte ich, wie seine scharfen Augen das Cover des Buches fixierten. Als ich es aber auf eine freundliche und neckische Weise beiseite legte, sagte er:

„Sie glauben offensichtlich an das Handlesen. Es muss ein sonderbares Forschungsgebiet sein. Aber ich denke", fügte er hinzu, "kann es durchaus seine Anhänger finden, so wie es Leute gibt, die an die Form des Kopfes und anderen Dingen dieser Art glauben."

"Ja", antwortete ich, " ich glaube, dass sich der Charakter in jedem Teil des Körpers manifestiert, aber besonders in den Händen zeigt, die immerhin die Werkzeuge sind, die die Wünsche des Gehirns durchführen; und sicherlich ist es nicht an den Haaren herbeigezogen oder unlogisch, wenn man diesen Glauben hat."

"Nein", sagte er lachend." Verglichen mit einem Glauben klingt dies sowohl angemessen als auch sinnvoll. Aber sagen die Hände auch die Zukunft vorher? Das ist der Punkt, der mich interessieren würde, wenn ich mich dazu bringen könnte, an solch eine Sache zu glauben."

"Gut", antwortete ich, "unsere Zukunft wird durch unseren Charakter und unsere Neigungen, die wir geerbt haben, beeinflusst und somit glaube ich, dass man aus ihnen auch die Zukunft herauslesen kann. Ich bin davon überzeugt, dass der Erfolg das Ergebnis unserer Vorherrschaft über unseren Stärken gegenüber unseren Schwächen ist. Ich bin mir sicher, wenn ich behaupte, dass wenn man diese Studie von diesem Standpunkt aus betrachtet, aufzeigen kann, welche dieser beiden Kräfte die Herrschaft übernehmen wird."

"Nun gut", antwortete er. "Ihre Theorie hat mich wirklich interessiert." Er streckte mir seine Hände entgegen und sagte: "Erzählen Sie mir, wenn Sie mögen, welche Kraft in meinem Fall den Sieg erringen wird."

Ich kann sogar noch jetzt jene schmalen, intellektuell aussehenden Hände vor mir sehen, die dieser Unbekannte vor mir ausbreitete und wie sie mich interessierten. Die Linien waren deutlich markiert, voll von Eigenschaften und Ereignissen, die der Charakter geschaffen hat. Ich startete an der Kopflinie. Ich zeigte ihm deren überlegene Länge und einige Zeichnungen in meinem Buch und erklärte ihm, dass es seine Macht über Organisationen und seinen Einfluss über Menschen anzeigt.

Dann erweckte ich seine Aufmerksamkeit in Bezug zu einer gut gekennzeichneten Schicksalslinie, die sich durch seine Handfläche, bis ein wenig über die Mitte des Zentrums in sei-ner Hand, abzeichnete. Ich erklärte ihm, dass es eine starke Individualität anzeigt, eine berufliche Laufbahn, die eine besondere Rolle in seinem Leben spielen muss - ein Schicksal, in dem er als Führer über die gesamte Herde der Menschheit her-ausragt.

"Aber das Ende", sagte er fast nervös, "was bedeutet jene Linie, die immer schwächer wird?"

Ich lachte, als ich sagte, weil ich es selbst kaum glauben konn-te und ich fühlte mich sicher, dass er es auch nicht tun würde, trotz seines Interesses. "Oh", sagte ich, "das Aufhören dieses Zeichens bedeutet einfach nur Ruhe für Sie; ähnlich wie Napoleon, der nach St. Helena gesendet wurde, denke ich."

"Aber warum?" fragte er mich ziemlich aufgeregt, "was soll mein Waterloo sein?"
"Ohne einen Zweifel geht es um eine Frau", antwortete ich. Schauen Sie, wie die Herzlinie die Schicksalslinie bricht, gerade an dem Punkt, wo sie verläuft."

Als er seine Hand zurückzog, lachte der Fremde - ein ruhiges Lachen - das Lachen eines Mannes, der von sich überzeugt war.

Bald darauf erreichte der Zug Euston, und als wir unsere Reisetaschen fertig machten, sagte er: "Es ist schon seltsam, wie genau Ihre Wissenschaft über einige Dinge Bescheid wusste - außer jedoch über den Teil mit der Frau. Hier ist meine Karte. Sie werden nun verstehen, wie das was Sie sagten, in vielen Dingen mit meinem Leben übereinstimmt - aber die Frau, nein- ein Mann mit meinem Leben hat keine Zeit für Frauen.“

Mit einem heiteren "Lebewohl" sprang er aus dem Zug, hielt eine Kutsche an und war weg. Ich schaute auf die Karte, die er mir gab und las, "Charles Stewart Parnell".

Einige Jahre später, nach O' Shea's Scheidung und seinem „Untergang“, war ich sehr überrascht und begann die Bedeutung der Herzlinie zu verstehen, die das Schicksal eines solchen Mannes berührte.

© Jürgen Berus